Pferdezähne / Zahnerkrankungen

Horsedentist - Maßnahmen

Was macht ein „Horsedentist“?

Diese Frage stellen sich viele, wenn sie das Wort „Horsedentist oder Pferdedentist“ hören.
Als Horsedentist versuche ich auf der einen Seite eine vorbeugende Maßnahme der Pferdezahnpflege zu übernehmen und auf der anderen Seite versuche ich zu helfen, wenn es schon schwerwiegendere Probleme im Pferdemaul gibt.

Meine Arbeit besteht aus folgenden Aufgaben:

  • Kontrolle und Vorsorge der Pferdezähne
  • Raspeln von scharfen Kanten und Haken
  • Kürzen der Schneidezähne
  • Ziehen von Wolfszähnen *
  • Entfernen von losen und faulen Zähnen *
  • Entfernen von Zahnstein
  • Entfernen von eingeklemmten Milchzahnkappen *

(* erfolgt durch einen Tierarzt, der hinzugezogen wird)

Entstehung und Folgen von Zahnproblemen

Das Pferd als Steppentier ernährte sich von harten Gräsern, die es den ganzen Tag ausgiebig zermahlte.

In unserer heutigen Zeit hat das Pferd keine Möglichkeit harte Gräser zu fressen, durch die es sich die Schneidezähne kurz halten kann. Die Gräser sind zu weich und durch die jetzigen Fütterungsmethoden nutzen sich die Zähne nicht genügend ab.

Die Schneide- und Backenzähne jeden Pferdes wachsen jährlich 2-3 mm und später schieben sie dann nach. Ähnlich wie bei den Hufen muss der nachgewachsene Teil durch raspeln entfernt werden, sonst entstehen scharfe Kanten an den Backenzahnreihen. Meist an der oberen Außenkante und unten an der Innenseite. Haken können sich an den ersten und letzten Backenzähnen bilden.

Das Pferdemaul ist dann nicht mehr in seinem Gleichgewicht.
Durch die scharfen Kanten und Haken kann das Pferd seine Kaubewegung nicht mehr ausreichend ausführen und es kann sich durch weitere Veränderungen auch vollständig verriegeln.

Ebenfalls kann es zu Problemen kommen, wenn schon ein Zahn fehlt und der gegenüber liegende Zahn nicht regelmäßig gekürzt wird. Der Zahn wächst dann in die gegenüberliegende Lücke hinein, da er keinen „Gegenspieler“ zum abnutzen mehr hat.

Im schlimmsten Fall kann dieser bis ins Zahnfleisch hineinwachsen. Die regelmäßige Zahnpflege bei Pferden kann schon bei Jährlingen beginnen.

Bis zum fünften Lebensjahr ist das Pferd im Zahnwechsel und sollte halbjährlich untersucht werden, um eventuelle Milchzähne, die sich nicht gelöst haben, zu entfernen. Nach dem Zahnwechsel reicht bei einem intakten Gebiss eine jährliche Kontrolle aus. Bei unregelmäßiger Pflege der Pferdezähne kann es durchaus zu einem vorzeitigem Verlust der Zähne und zu schmerzhaften Entzündungen kommen.

Folgen von Zahnproblemen:

  • Zahnfleischentzündungen
  • Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme
  • Probleme bei der Rittigkeit (Verwerfen, Kopfschlagen, Steigen…)
  • Lahmheiten

Durch Zahnprobleme kommt es beim Pferd zu Problemen im Kiefergelenk. Weiter können Probleme im Bereich des Rückens und dadurch bedingte Schwierigkeiten der Rittigkeit entstehen. Daher empfiehlt sich auch bei dieser Art von Folgeproblemen eine Zahnbehandlung.

Arbeitsmethode

Die Methode, nach der ich arbeite, habe ich in Alberta/Kanada bei Louis Pequin gelernt. Ich versuche das Pferdemaul und die Zähne wieder in sein Gleichgewicht zu bringen, damit auch der Kontakt und die Bewegung wieder vorhanden sind.

Damit das Pferd und ich die Behandlung entspannt durchführen können ist es meist erforderlich, das Pferd vorher von einem Tierarzt sedieren zu lassen.
Soweit Eingriffe am Pferd notwendig sind die mit Schmerzen verbunden sind, ziehe ich immer einen Tierarzt hinzu.

Sehr gute Erfahrungen wurden mit dem Medikament Domosedan gemacht. Die Pferde sind entspannt und können bei der Behandlung gut mitarbeiten. Die Behandlung wird mit dem Kürzen der Schneidezähne begonnen, um die Backenzähne wieder in Kontakt zu bringen. Dies wird elektrisch mit einer wassergekühlten Diamantscheibe durchgeführt.

Bei eventuellen Haken an den ersten oder letzten Backenzähnen werden diese nun mit Hilfe einer wassergekühlten kleinen Maschine, an der ein Diamantkopf befestigt ist, gekürzt und abgerundet. Dafür wird ein Maulgatter benötigt.

Nach getaner Maschinenarbeit werden nun die scharfen Kanten an den Backenzähnen mit speziellen Handraspeln, die von Loius Pequin selbst hergestellt wurden, bearbeitet. Jede Raspel ist einmalig und hat ihre Aufgabe. Dadurch kann jeder Zahn individuell behandelt werden.

Sie sind unterschiedlich gebogen und haben unterschiedliche Längen, um auch an die letzten Zähne heranzukommen. Dadurch wird die Struktur der Zähne nicht beschädigt und es werden keine Schleimhäute verletzt. Vorhandene Wolfszähne sollten durch den für diese Behandlung hinzugezogenen Tierarzt entfernt werden. Da sie direkt vor dem ersten Backenzahn liegen können sie bei Verwendung eines Gebisses beim Reiten für das Pferd störend oder schmerzhaft wirken. Je früher Wolfszähne gezogen werden, um so leichter lassen sie sich entfernen.

Sehr wichtig ist es mir, meine Arbeit mit viel Ruhe und Zeit durchführen zu können, um gute Arbeit zu leisten und das Vertrauen und die vollste Zufriedenheit der Pferde und seines Besitzers zu gewinnen.

Falls sie noch weitere Fragen haben und das Interesse in ihrem Stall vorhanden ist bin ich gerne bereit, vor Ort kostenlos ab fünf Personen einen Vortrag über Pferdezähne zu halten.

Der Wirkungskreis meiner Arbeit ist hauptsächlich in Schleswig-Holstein und Umgebung. Gerne bin ich auch bereit, für einen Sammeltermin weiter zu fahren.

Symptome

Selber haben auch sie, ohne den mutigen Griff ins Pferdemaul, einige Möglichkeiten Zahnprobleme zu erkennen.

Sie können den Unterkiefer ihres Pferdes vorsichtig in beide Richtungen verschieben, dadurch lässt sich sie die Verschiebbarkeit des Kiefers testen. Wichtig ist nun zu hören, ob sie vermehrt Schneidezähne oder auch die Backenzähne hören.

Hören sie nur Schneidezähne, so sind sie zu lang und die Backenzähne haben keinen richtigen Kontakt.

Bei schon fortgeschrittenen Zahnproblemen, werden sie folgende Anzeichen bei ihrem Pferd bemerken:

  • Große Mengen heraus fallendes Futter
  • Schlechter Atem
  • Entstehung von Futterwickel
  • Futter in Backen, auf oder zwischen den Zähnen
  • Verändertes Trinkverhalten
  • Veränderte Kaubewegung
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Asymmetrie des Kopfes
  • Beulen an Nase oder Unterkiefer (teilweise normal im Zahnwechsel)
  • Gewichtsverlust
  • Nasenausfluss
  • einseitige Blutung aus dem Maul
  • entzündetes Zahnfleisch, eventuelle Fistelkanäle

Wenn Sie Futterreste zwischen den Zähnen bemerken, ist dies ein Zeichen für Schmerzen. Die Pferde versuchen sich mit dem Futter die Zähne zu polstern ein so genannter „Puffer“.

Jedes Pferd reagiert anders auf Zahnprobleme. Die Einen sind sehr empfindlich und zeigen es sehr schnell durch verändertes Verhalten und Andere wiederum fressen trotz Schmerzen weiter und lassen sich erst viel zu spät etwas anmerken. Auch ein Zeichen für gestresste Zähne kann vermehrter Zahnstein sein.

EOTRH- Equine Odontoclastic Tooth

Immer häufiger sind Pferde von dieser Erkrankung betroffen.

Es ist ein Zahn auflösender Prozess mit einer Zerstörung des Kieferknochens. Das Zahnfleisch zieht sich zurück und es beginnt ein Umbauprozess der Zähne.

Die Odontoblasten sind verstärkt aktiv -> die Zahnsubstanz wird abgebaut und Zahnzement wird zu gebildet.

Folgen:

  • Vermehrter Zahnstein
  • Schmerzen an den Zähnen
  • Pferde lassen sich ungern anfassen
  • Mundgeruch
  • Reitunwillig
  • Verspannungen
  • Schmerzhaftes abbeißen
  • rote Punkte am Zahnfleisch
  • Fistelkanäle
  • Schwellungen/Verdichtungen/wulstig rotes Zahnfleisch
  • lockere Zähne
  • Futterreste zwischen den Zähnen
  • Immunschwäche
  • Stoffwechselprobleme

Therapie:

Im Anfangsstadium regelmäßiges kürzen der Zähne und im weiten Verlauf ist es eine Erleichterung für das Pferd die Zähne zu entfernen.

Ganzheitlich kann bei dieser Erkrankung mit Vitalpilzen und z.B. Bioresonanztherapie unterstützt werden.

© Petra Scharnberg 2021